Xberg klimaneutral e.V.

Stellungnahme zur kommunalen Wärmeplanung Berlins vom 27.10.2025


Stellungnahme zur kommunalen Wärmeplanung Berlins vom 27.10.2025


Inhalt:

Vorbemerkung

Seit 2019 setzen wir uns als unabhängige Initiative für die soziale Wärmewende im urbanen Raum ein und sind seit Ende 2021 als gemeinnütziger Verein anerkannt. Beim Modellprojekt Dragonerareal/Rathausblock in Kreuzberg haben wir intensiv am Energetischen Quartierskonzept mitgearbeitet, damit das Quartier möglichst CO₂-frei und dauerhaft bezahlbar mit Energie und Wärme versorgt wird. Im März 2025 wurde das Quartier im Rahmen „Resiliente Stadtentwicklung – Klimaquartiere in der Städtebauförderung“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen als beispielhaftes Klimaquartier ausgezeichnet.

Seitdem hat sich unser Fokus für die klimaneutrale Erneuerung auf ganz Berlin ausgeweitet und sich unsere Themenfelder auf die sozialverträgliche Umsetzung von Klimaschutz, Klimaanpassung und Kommunikation dazu erweitert. Im Dialog mit Politik, Wissenschaft, Planer*innen, Verwaltung, Eigentümer*innen und Öffentlichkeit vermitteln wir Informationen, regen Vernetzungen unterschiedlicher Akteure an und verfolgen und erarbeiten Sachvorschläge.

Ausgehend von Bestands- und Potentialanalysen und deren räumlicher Zuordnung wurde im vorliegenden Entwurf zum Wärmeplan Berlin eine erste Umsetzungsstrategie mit Maßnahmen und Instrumenten für die ganze Stadt entwickelt.

Entsprechend eingehend haben wir uns mit diesem Entwurf beschäftigt, betreffend der Erreichbarkeit des gesetzlich vorgeschriebenen Ziels der Klimaneutralität bis 2045, dessen sowohl technischer als auch sozialverträglicher Umsetzung und unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte. Wir fordern Sie auf, unsere kritischen Fragen, Kommentare und Anregungen zur kommunalen Wärmeplanung für die endgültige Ausgestaltung zu berücksichtigen.

Wir begrüßen die Bereitschaft den Wärmeplan iterativ fortzuschreiben und sind gespannt auf die Einarbeitung unserer folgenden Einwände und Anregungen.

Xberg-klimaneutral e.V., 27.11.2025

Heiße Fernwärme - Problematik

Für die innerstädtischen Kerngebiete findet sich im Entwurf zur Wärmeplanung als Lösung hauptsächlich die Verdichtung des bereits vorhandenen, mit hohen Temperaturen arbeitenden Fernwärmenetzes. Gerade dort staut sich im Sommer die Hitze und die bestehende Fernwärme mit Vorlauftemperaturen von mindestens 80° C im Sommer, 120° C im Winter, heizt dessen Untergrund noch weiter auf.

Hinzu kommt die von Klimaforschern prognostizierte massive Zunahme von 40 und mehr Hitzetagen pro Jahr mit entsprechenden Folgen wie mehr Hitzetoten, die einen stark ansteigenden Bedarf nach Kühlung schafft. Herkömmliche Klimageräte heizen die Stadt noch weiter auf - ein von keinem/r Beteiligten wünschenswerter Kreislauf.

Die Dekarbonisierung der Fernwärme mit ihrem hohen Energiebedarf und ihrem derzeit noch hohem Anteil von Gas als Energieträger, scheint nicht nur uns bei deutlicher Erweiterung des Netzes in der kurzen Zeit kaum umsetzbar und ist mit hohen Kosten sowohl beim Ausbau als auch beim Einsatz anderer Energieträger wie Biomasse, Wasserstoff oder tiefer Geothermie verbunden.

Der Wärmeplanentwurf, so wie er vorliegt, schließt andere klimaneutrale Lösungen faktisch aus oder verengt zumindest den Fokus Richtung Fernwärme. Um Wettbewerb und Wahlfreiheit zu sichern, sollten jedoch immer alternative Versorgungskonzepte geprüft und ermöglicht werden. Anschlusszwänge sollten vermieden werden, da Eigentümer*innen so keine Möglichkeit haben, den Versorger zu wählen. Realistisch kann die Wärmewende nur erreicht werden, wenn das Potenzial aller zur Verfügung stehenden erneuerbaren Wärmequellen sowie von Umweltwärme so umfassend wie möglich genutzt wird.

Ermöglichen und fördern Sie CO₂-freie, dezentrale kalte Netze auch in der verdichteten Innenstadt

Wärme, Kälte und Klimaanpassung müssen integrativ gedacht werden. Der bisherige starke Fokus auf die heiße Fernwärme verhindert die Offenheit hinsichtlich anderer, energieeffizienterer Lösungen. Hier sind vor allem kalte Wärmenetze zu nennen. Erneuerbare Energiequellen für dezentrale kalte Wärmenetze sind z.B. Wärme aus Abwasserdruckrohren, von Straßen, Plätzen, Gewässern, Abwärme von produzierendem Gewerbe wie Lackierereien, Bäckereien u.ä., von Kühlanlagen oder auch Abluft von Lüftungsanlagen und U-Bahnschächten.

Dezentrale kalte Netze können eigenständig betrieben, der Rücklauf der Fernwärme ggf. in einigen Fällen integriert werden. Diese Ressourcen können vor Ort intelligent kombiniert und durch saisonale Speicherlösungen z.B. in Aquiferen oder Eisspeichern ergänzt werden. Im Sommer ist die Wärme direkt nutzbar z.B. für Warmwasser in Haushalten oder auch in Schwimmbädern.

Entscheidungen zur Wärmeversorgung dürfen nicht über die Köpfe der Bewohner*innen hinweg getroffen werden. Transparenz zu Investitions-, Betriebs- und Wärmepreisen (auch zur Kühlung!), verständliche Informationen zur Technik und sozialen Auswirkungen sowie echte Beteiligung sind dafür zwingend erforderlich um die Akzeptanz zu erhöhen.

Dekarbonisierung der heißen Fernwärme im bestehenden Netz

Das bestehende Fernwärmenetz muss weiter betrieben werden und steht vor der Schwierigkeit der Dekarbonisierung. Großwärmepumpen, Nutzung vielfältigster Umwelt- und Abwärme, Solarthermie, Speicher und tiefe Geothermie sind Mittel erster Wahl, werden aber nicht ausreichen. Wasserstoff ist sehr teuer und die Verbrennung von Gas, Biomasse oder Müll setzt CO₂ frei.

In den Wärmeplan sollten deshalb auch übergreifende Gesichtspunkte zur Effizienzsteigerung und Senkung des Energiebedarfs der Fernwärme wie die mittelfristige Absenkung der Betriebstemperatur sowie das Ziel der technischen Kompatibilität und Kooperation mit entstehenden kalten Nahwärmenetzen aufgenommen werden.

Um die Verbrennung von Holz und anderen Stoffen zu vermeiden, bietet sich Pyrolyse als ein Lösungsansatz an, andere Stadtwerke nutzen ihn bereits. Der Einsatz von Holz ist nicht nötig. Man kann in Berlin auf ohnehin anfallende Stoffe wie z.B. belastete Böden, Klärschlamm, (Bio-)Müll, Grünschnitt und Laub von Straßen und Parks zurückgreifen.

Pyrolyse senkt die Kosten der Fernwärme. Die Anlagen refinanzieren sich schnell, da die Pyrolyse sowohl im Betrieb als auch bei den Ausgangsstoffen vergleichsweise günstig ist. CO₂-Abgaben fallen nicht an und vorhandene Altlasten können entsorgt werden. Die entstandene Kohle hat in Berlin einen Marktwert, bisher wird sie aus anderen Bundesländern bezogen. Sie kann den Böden beigemengt werden, hilft Wasser besser zu speichern und erleichtert so das Überleben der Bäume an Straßen und in Parks in Zeiten des Klimawandels.

Effizienzmaßnahmen müssen Sanierungsmaßnahmen begleiten

Die Dekarbonisierung der Fernwärme und deren dauerhafte Bezahlbarkeit ist ein enorm schwieriges Unterfangen, wobei grundsätzlich gilt: Jede kWh Wärme, die nicht erzeugt werden muss, erleichtert diesen Prozess.

Das Sanierungsziel von 1,7% ist unrealistisch, Finanzmittel sind selbst für öffentliche Liegenschaften nicht vorhanden. Neben dem Fokus auf die ineffizientesten Gebäude (Worst Performing Buildings, WPB), deren Sanierung durch weitere städtische Förderprogramme unterstützt werden sollte, braucht es flächendeckend einfache technische Effizienzmaßnahmen.

Friedrichshain-Kreuzberg konnte allein mit dem Steuerungssystem Ovotherm in den öffentlichen Liegenschaften fast 20 % Heizkosten und CO₂ einsparen. Das Einsparpotenzial durch einen hydraulischen Abgleich liegt bei rund 15 %. Statt mit energetischen Vollsanierungen zu kalkulieren, ist es sinnvoll mit einfacher Dämmung von Keller und oberster Geschossdecke anzufangen. Gefördert werden diese Maßnahmen bereits heute. Milieuschutz und Denkmalschutz dürfen energetische Erneuerung nicht blockieren, sondern müssen Rahmenbedingungen schaffen, die Klimaschutz und soziale Verträglichkeit verbinden (Wärmepumpenerlaubnis).

Governance, Beteiligung und Pilotprojekte

Es dürfen keine Genehmigungspflichten eingeführt werden, die alternative Lösungen im Vorfeld ausschließen. Von Anfang an sollten Bezirke, Bürgerinitiativen, Mieter:innen und Eigentümer*innen verbindlich in Planung und Umsetzung einbezogen werden. Ev. sind Wärmenetze denkbar mit Anwohner*inneninitiativen in Kombination mit den Stadtwerken, städtischen Energiegesellschaften der Wohnungsbaugesellschaften o.ä. in der Form einer Genossenschaft. Beispiele gibt es dafür z.B. in Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig ist eine umfassende Vernetzung aller relevanten Akteur:innen – bei allen Wärmeplanungen in allen Bezirken und Quartieren – sicherzustellen.

Pilotprojekte sollten gezielt gefördert und genossenschaftliche Strukturen besonders unterstützt werden und Landeseigene Wohnungsbaugesellschaften sowie öffentliche Gebäude als Vorbilder agieren, wie im Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm vorgesehen. Modellquartiere bieten die Möglichkeit, integrierte Wärme-Kälte-Konzepte zu entwickeln, zu erproben und die gewonnenen Erkenntnisse auf andere Quartiere zu übertragen – auch in der verdichteten Innenstadt. Erfolgreiche Wärmeplanung erfordert stabile Governance-Strukturen, echte Bürgerbeteiligung und die Förderung innovativer Ansätze um Transparenz zu schaffen und Akzeptanz zu fördern.

Die soziale Verträglichkeit der Wärmewende ist ein zentrales Kriterium

Bezahlbarkeit muss sichergestellt werden und energetische Modernisierungsmaßnahmen dürfen Mieter*innen nicht dauerhaft zusätzlich belasten. Die derzeitige gesetzliche Modernisierungsumlage führt zu dauerhaften Mietsteigerungen, auch dann, wenn die Investitionen längst gedeckt sind, sie muss daher zeitlich begrenzt werden, also nur bis zur vollständigen Kostendeckung. Wirtschaftlichkeits- und Sozialfolgenanalysen für alle Versorgungsoptionen, insbesondere in sozialen Erhaltungsgebieten, sind verpflichtend und Warmmietenneutralität das Ziel. Die jetzige Modernisierungsumlage, auf die der Wärmeplan verweist, stellt eine soziale Belastung dar, deren Reform, insbesondere deren zeitliche Begrenzung, dringend erforderlich ist. (Bundesratsinitiative)

Kritische Details des Wärmeplans

1.Maßnahmensteckbriefe

Die Finanzierungssicherheit der Maßnahmen ist insgesamt äußerst fraglich. In den Maßnahmensteckbriefen wird zwar darauf hingewiesen, dass 1–35 der vorgesehenen Maßnahmen kurzfristig umzusetzen sind, zugleich wird jedoch in der Vorbemerkung deutlich gemacht, dass alle Maßnahmen, die aus Landesmitteln finanziert werden sollen, unter Finanzierungsvorbehalt stehen – was 33 von insgesamt 38 Maßnahmensteckbriefen betrifft. Damit ist die Finanzierung aus Landesmitteln in keiner Weise geklärt und stellt so die Realisierbarkeit des gesamten Maßnahmenpakets massiv in Frage. Zudem werden die Kosten für die jeweiligen Maßnahmen durchgehend nicht benannt, was nach unserer Ansicht zur Beurteilung notwendig zwingend ist.

2. Oberflächennahe Geothermie und Altlasten

Geothermie und Altlasten stehen laut Bericht (Seite 38) in einem schwierigen Verhältnis, da dort vor allem Hemmnisse benannt werden. So heißt es: „Bei der Anwendung von offenen Brunnensystemen kommen […] Altlasten durch Bodenverunreinigungen zum Tragen, die insbesondere die Geothermienutzung durch offene Systeme einschränkt.“ Weiter wird heißt es: „In Berlin existieren eine Vielzahl ehemaliger Gewerbe- und Industriestandorte bzw. Altablagerungen, auf denen zum Teil erhebliche Boden- und Grundwasserverunreinigungen stattgefunden haben.“ Diese Darstellung fokussiert sich allein auf die Probleme, ohne bestehende Sanierungspotenziale zu berücksichtigen.

Tatsächlich können Aquiferspeicher aktiv zur Sanierung von Altlasten beitragen, etwa durch gesteuerte Grundwasserzirkulation, oxidative Verfahren oder andere In-situ-Behandlungen. Die Kombination von Wärmespeicherung und Grundwassersanierung ist möglich und stellt keinen Ausschlussgrund dar. Sie verlangt lediglich eine sorgfältige Planung. Da sich das Grundwasser auch ohne Nutzung kontinuierlich weiterbewegt, muss es später ohnehin gereinigt werden.

Zirkulationsbrunnen sind zwar deutlich teurer als konventionelle Erdsonden, können aber in belasteten Gebieten nicht nur zur Grundwasserreinigung beitragen, sondern auch Wärme bereitstellen. Sie kommen insbesondere auf Flächen mit hohem wirtschaftlichem Potenzial oder dort infrage, wo aus umwelttechnischen Gründen eine dringende Sanierung des Grundwassers erforderlich ist.

3. Abwärme aus U-Bahnstationen

Die Untersuchung zur Nutzung von Abwärme aus U-Bahn-Stationen zeigt laut Bericht (Seite 51) ein Entzugspotenzial von „bis zu 200 kW Entzugspotenzial pro U-Bahn-Station“. Allerdings lässt der Bericht viele Fragen offen: Die zugrundeliegende Studie wurde nicht veröffentlicht, es bleibt unklar, welche Stationen tatsächlich gemessen wurden, ob weitere Messungen geplant sind und es ist nicht nachvollziehbar, wie die Bezirke auf Quartiersebene geeignete Lösungen planen sollen, wenn die Daten nicht zur Verfügung stehen.

Auf Seite 53 wird zudem auf die Kleinteiligkeit der Potenziale hingewiesen: „Die Potenziale an Abwärme aus U-Bahn-Stationen fallen hingegen sehr kleinteilig verteilt über das Stadtgebiet an.“ Diese Kleinteiligkeit ist jedoch kein Nachteil, sondern bietet vielmehr ideale Voraussetzungen für dezentrale kalte Netze. Wie bei einer Veranstaltung am 30.9.2025 mit der BEW von Frau Kühnel (Reiner Lemoine Institut) betont wurde: Jede Energiequelle wird gebraucht.

4. Grauwassernutzung

Im Bericht wird beim Abschnitt Abwasserwärme das Potenzial von Grauwasserrecycling bislang vollständig ausgeblendet, obwohl es sowohl zur Wärmerückgewinnung als auch zur Trinkwassereinsparung erheblich beitragen kann. Ein anschauliches Beispiel liefert das Studierendenwohnheim der Berlinovo in Lichtenberg (Regenwasseragentur, 14.11.2025): „Durch die Nutzung der Abwärme vom Grauwasser wird etwa 65 % der Heizleistung für 400 Bewohner*innen gedeckt, den verbleibenden Bedarf übernimmt die Fernwärme“ (was aufzeigt, dass eine Kombination aus dezentraler Abwärmenutzung und Fernwärme möglich ist).

Ebenso führt die Maßnahme zu einer relevanten Trinkwassereinsparung – ein besonders wichtiger Aspekt, da in Berlin künftig Wasserknappheit droht, insbesondere nachdem die Pumpen in der Lausitz voraussichtlich 2030 abgeschaltet werden. Außerdem resultiert aus der Maßnahme eine hohe CO₂-Einsparung. Die Amortisation beträgt laut Berlinovo 12 Jahre, ein nachträglicher Einbau ist schwieriger, vorausschauend zu planen hilft diese Potenziale effektiv zu nutzen. Grauwassernutzung sollte künftig in jedem Neubau einbezogen und, wo möglich, auch bei Sanierungen von Bestandsbauten zur Wärmesparung integriert werden.

5. Solarthermie – große Vorteile, aber im Zielbild kaum vorgesehen

Solarthermie bietet laut Bericht erhebliche Vorteile, wird aber im Zielbild des Energieszenarios kaum berücksichtigt. So heißt es auf Seite 57: „Solarthermieanlagen weisen eine hohe Flächeneffizienz […] und nahezu gleichbleibende Wärmegestehungskosten auf […]. Zudem entlasten direkte Wärmesysteme […] das Stromnetz.“ Bis Mitte 2026 sollen die Berliner Stadtwerke Potenziale für Solarthermie erheben, die Darstellung auf Seite 84 (Abbildung 23) zeigt dennoch praktisch keine Solarthermie im Zielszenario.

Dies wirft mehrere Fragen auf: Warum wird eine Studie beauftragt, wenn trotz eines positiven Ergebnisses offenbar gar nicht geplant ist, Solarthermie einzusetzen? Warum werden PVT-Module nicht als Standard im Neubau- oder Wärmepumpen-Szenario berücksichtigt? Und warum werden die klaren Vorteile, insbesondere die Entlastung des Stromnetzes, ignoriert?

6. Wasserstoff – widersprüchlicher Umgang

Der Umgang mit Wasserstoff im Wärmeplan ist widersprüchlich. Auf Seite 66 heißt es: „Zur Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff […] ist aktuell keine belastbare Aussage möglich.“, sowie „Berlin wird […] kaum eine eigene Wasserstoffproduktion haben.“ Daraus folgert der Bericht: „Daher werden keine Wasserstoffpotenziale für den Wärmeplan berücksichtigt.“ Es ergibt sich jedoch ein Widerspruch: Einerseits soll der Wärmeplan Wasserstoff nicht berücksichtigen (bei Einzelfeuerungsanlagen?), andererseits wird Wasserstoff im Dekarbonisierungsfahrplan der Fernwärme eingeplant. Diese Vorgehensweise ist inhaltlich inkonsistent.

7. Aquiferspeicher – Verzicht auf Anteil an Energie aus Erneuerbaren Quellen (EE)

Der Bericht weist auf Seite 68 auf das Potenzial von Wärmespeichern, insbesondere von Aquiferspeichern hin: „Erhöhung des EE-Anteils in der Fernwärme durch saisonale Speicherung um ca. 12 % möglich […]. Christidis et al. (2025): realistisch eher 5–6 %. […] enorme Investitionen erforderlich.“ Angesichts des milliardenschweren Kaufs des Fernwärmenetzes wirkt es fragwürdig, die Speicherung allein aus Kostengründen auszuschließen und auf 6-7% Erhöhung des EE-Anteils zu verzichten. Speicherspeicherkapazität bedeutet eine erhebliche CO₂-Reduktion und somit langfristige Klimaschutzpotenziale. Zudem wird nicht berücksichtigt, welche Kosten durch die Folgen des Klimawandels entstehen.

8. Luftwärmepumpen – weniger Lärmemissionen

Im Bericht werden Luftwärmepumpen auf Seite 73 als problematisch dargestellt: „Keine spezifische Potenzialerhebung […] Herausforderungen […] durch Geräuschemissionen und Lärmschutzanforderungen.“ Diese Einschätzung ist nicht mehr zeitgemäß, moderne Luftwärmepumpen sind deutlich leiser geworden, Geräuschprobleme treten in der Praxis nur in Einzelfällen auf, so dass sie keinen pauschalen Ausschlussgrund darstellen. Insbesondere in großen Innenhöfen oder gut gedämmten Gebäuden lassen sich Luftwärmepumpen problemlos einsetzen. Gleichzeitig bleibt unverständlich, warum keine spezifische Potenzialstudie für diese Technologie erstellt wurde.

Generell wäre noch darauf hinzuweisen, dass es nicht nur Luft-Luft- oder Luft-Wasser-Wärmepumpen gibt, sondern auch Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die Wärmequellen wie das Grundwasser/oberflächennahe Geothermie nutzen, bessere Arbeitszahlen haben und im Gebäude selber aufgestellt werden. Je nach Platz, Bauweise und Heizbedarf kommen so für Mehrfamilienhäuser unterschiedliche Wärmepumpen oder auch Kombinationslösungen mit bestehenden Heizungsanlagen infrage. Mehrere bereits umgesetzte Beispiele sind in Berlin vorhanden.

Xberg-klimaneutral e.V.
Berlin, den 27.11.2025